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SÜDKURIER/Radolfzell 24.1.2009

Sozialstation Radolfzell-Höri rückt mit Zweigstelle in Gaienhofen näher an die Patienten

Die Hilfe ist nicht mehr weit

Die Sozialstation Radolfzell-Höri ist ab sofort mit einer Zweigstelle in Gaienhofen auch auf der Höri permanent präsent. Die 13 Mitarbeiter erhoffen sich durch die Einrichtung vor allem eine Arbeitserleichterung und kürzere Wege zu ihren Patienten auf der Höri.

VON GERALD JARAUSCH

Radolfzell/Gaienhofen – Mit der Eröffnung einer Zweigstelle im Seeheim Höri macht die Sozialstation Radolfzell-Höri wahr, was schon längst in ihrem Namen verankert ist. Sie rückt ganz nah an ihre Kunden auf der Halbinsel. Die auf der Höri tätigen Mitarbeiter der Sozialstation-Leiterin Sabine Wegmann erhoffen sich durch die Zweigstelle eine Arbeits-erleichterung fernab von ihrem Stützpunkt in Radolfzell.


Eröffnungsfeier

Glückliche Gesichter: Über die Zweigstelle der Sozialstation freuen sich Pfarrer
Bernhard Maurer, Franz Schwörer und Michael Hauser sowie der Vorsitzende
Helmut Haselberger. B I L D: J A R A U S CH



In der Tat verbringen die Mitarbeiter viel Zeit im Auto, um zu den Patienten auf der Höri zu gelangen. Insgesamt legen die 60 Mitarbeiter der Sozialstation 350 000 Kilometer im Jahr zurück, um 220 Personen in Radolfzell und Umgebung zu betreuen. Allein auf der Höri betreuen die 13 Mitarbeiter momentan 70 bis 90 ältere Menschen. Ihre Hilfe reicht von der Medikamentengabe über pflegerische Maßnahmen bis hin zur Säuberung der Wohnung. „Manchmal sind wir aber auch einfach nur zum Reden da“, sagt Sabine Wegmann.
Entsprechend groß ist der logistische Aufwand dieser Betreuung. Immerhin ist die vor
30 Jahren vom ehemaligen Stadtpfarrer Bernhard Maurer gegründete Sozialstation die fünftgrößte von insgesamt 100 Stationen dieser Art in der Erzdiözese Freiburg.
Um einen Stützpunkt vor Ort zu haben, hat sich der Vorstand der Sozialstation entschlossen, eine Wohnung in der Seniorenwohnanlage Seeheim Höri in Gaienhofen zu kaufen. Dies wurde ausschließlich durch Spenden und testamentarische Verfügungen finanziert.
Im Erdgeschoss eines der insgesamt vier Gebäudeteile ist nun eine Anlaufstelle für Kunden und die Mitarbeiter der Sozialstation entstanden. Ab März wird laut Sabine Wegmann die Zweigstelle jeweils am Montag und Donnerstag zwischen 11 und 12.30 Uhr für Sprechzeiten besetzt sein.
„Ferner werden dort künftig Teambesprechungen stattfinden“, erklärte die Leiterin am Donnerstagabend bei der Einweihung.
Mit der Eröffnung ist nicht nur für Sozialstation Radolfzell-Höri „ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen“, wie der Vorsitzende Helmut Haselberger sagte. Ebenso erfreut zeigten sich Bürgermeister Uwe Eisch sowie der Investor und Bauherr Heinz Burkart. Uwe Eisch bezeichnete den Entschluss zur Zweigstelle in Gaienhofen als einen „weiteren Bestandteil im Netzwerk“ zur Versorgung der älteren Menschen auf der Höri. Mit der Entscheidung des Gemeinderates, die Seniorenwohnanlage zu verwirklichen, wollte man etwas dafür tun, das die Menschen in der Raumschaft auch im Alter auf der Höri bleiben können.
Ähnlich erfreut und stolz zeigte sich Heinz Burkart, der Bauherr der Anlage. Nicht zuletzt seiner konzeptionellen Umsetzung ist es zu verdanken, dass aus dem Projekt des Pflegeheimes mit angeschlossener Wohnanlage eine gelungene Maßnahme geworden ist. Dementsprechend sprach er auf der feierlichen Einweihung von einem „Sauglück“, dass die Sozialstation hier ebenfalls ansässig geworden ist. Den kirchlichen Segen hat die Sozialstation ebenfalls schon erhalten. Stadtpfarrer Michael Hauser übernahm dies kurzerhand bei der Eröffnung und wünschte der Sozialstation für die Zukunft ein gutes Gelingen.

Info:

Die Sozialstation Radolfzell-Höri
wurde vor 30 Jahren vom damaligen
Stadtpfarrer Bernhard Maurer
gegründet. Mitglieder der Sozialstation
Radolfzell-Höri sind die
katholischen Kirchengemeinden in
Radolfzell, den Stadtteilen und der
Höri. Darüber hinaus besteht eine
Kooperation mit der evangelischen
Kirche. Insgesamt betreuen 60
Mitarbeiter 220 Patienten. Ihre
Arbeit besteht aus pflegerischen
und hauswirtschaftlichen Maßnahmen.
(ja)





SÜDKURIER/Radolfzell, November 2009

Ältere Menschen möchten meist so lange wie möglich unabhängig bleiben

Mit ein bisschen Hilfe geht’s

Seniorenheim, betreutes Wohnen, alleine leben, bei den eigenen Kindern wohnen – theoretisch gibt es viele Möglichkeiten, sich das Leben im Alter einzurichten. Aber welche kommt den eigenen Vorstellungen möglichst nahe und ist auch praktisch realisierbar? Der SÜDKURIER befragte Seniorinnen zu ihrer Lebenssituation und jüngere Menschen, wie sie sich ihren Alltag im Alter vorstellen.

VON CLAUDIA WAGNER

Radolfzell – Anni Graf ist mit ihrer Situation zufrieden, sie lacht gerne und man spürt die Lebensfreude. Sie wohnt im Scheffelhof in einer Wohnung mit Seeblick – die Aussicht ist ein Traum. Mit ihrem Alltag kommt die 83-Jährige zurecht, schließlich hat sie viele Helfer: Der Sohn kommt täglich vorbei, um Getränke zu bringen, den Müll zu entsorgen oder Besorgungen zu machen. Morgens und abends kommt eine Schwester von der Sozialstation Radolfzell-Höri. Sie hilft Anni Graf beim Waschen und reibt ihr den Rücken ein, mit dem sie Probleme hat. „Ich hatte zwei Wirbelbrüche“, erzählt sie, „und nur einen konnte man operieren.“ Die Schwester richtet ihr auch ihre Medikamente mit genauer Uhrzeitangabe, wann sie sie einnehmen muss. Mit einem Leben im Seniorenheim möchte Anni Graf nicht tauschen: „Dahom isch dahom“ sagt sie dazu nur. Außerdem ist sie überzeugt, dass die Aufgaben im Haushalt sie fit halten.
Die Sozialstation versucht dazu beizutragen, dass Menschen wie Anni Graf ihre Selbstständigkeit behalten können. Senioren können Dienste aus dem hauswirtschaftlichen Bereich, dem medizinisch-pflegerischen und dem Bereich Nachbarschaftshilfe in Anspruch nehmen. „Viele ältere Leute kämpfen mit der Bewältigung des Alltags“, erläutert die Leiterin Sabine Wegmann, „von der Wäsche bis zum Behördengang. Manchmal müssen wir auch einen Impuls setzen: zum Beispiel informieren, dass manche Friseure auch nach Hause kommen.“ Ein weiteres Problem sei die Einsamkeit.
Wichtig ist ihr, dass die Dienste der Sozialstation den Leuten helfen, selbst zurecht zu kommen. Auch Irmgard Tabor, 84 Jahre, wohnt alleine und kommt sehr gut zurecht. Bis auf große, schwere Dinge kann sie alles selbst einkaufen, sie nimmt keine pflegerischen Dienste in Anspruch. Den Gedanken an ein Leben im Seniorenheim weist sie nicht völlig von sich, sondern legt sich auf ein „noch nicht“ fest. Ihr ist wichtig, sich im Alter wohl zu fühlen, man sollte eine ruhige Umgebung haben. Ähnlich geht es Rita Weißer, die sich wünscht, gesund zu bleiben. Ob sie einmal ein betreutes Wohnen oder ein Seniorenheim in Anspruch nehmen will, weiß sie noch nicht. Annegret Kortwinkel hat bereits recht genaue Vorstellungen, wie ihr Leben im Alter idealerweise aussehen könnte: „Eine Wohnanlage oder ein Haus, in dem alte und junge Menschen zusammen wohnen, auch gerne Menschen mit Behinderungen. In so ein Projekt würde ich mich gerne einbringen, da ich ein Kind erwarte und die Möglichkeit hätte, mich zu engagieren.“ Mit den eigenen Eltern zusammen zu wohnen kann sie sich weniger vorstellen, da sie recht früh ausgezogen sei. Achim Joos, 31 Jahre, hat sich bisher wenig Gedanken gemacht, wie er im Alter leben möchte. Wichtig sei ihm aber, keine Geldsorgen zu haben und im eigenen Haus zu leben.


Ursula Kessler mit Patientin

FOTO: Mit Hilfe von Ursula Kessler klappt vieles in Anni Grafs Alltag besser.